Ankauf
Architekten Eckhard Ernst und Joachim Keinarth,  Stuttgart

Bewertung des Preisgerichts:

Überraschend ist die selbstverständliche und zugleich präzise Art, mit der die schwierige Aufgabe gelöst wird. Keine kompakte, durch Brandwände getrennte Großform, sondern drei organisch modellierte, maßstäblich gut proportionierte Baukörper, besetzen das knapp geschnittene Grundstück und definieren diesen besonderen Ort mit einer Komposition von Solitärbauten. Kopf dieses städtebaulichen Ensembles ist eindeutig die Bibliothek.

Die stadträumlichen Anforderungen werden nicht durch harte Baukanten, sondern über einen tangentialen Umgriff der Baukörper interpretiert. Die Baugrenzen sind dabei eingehalten. Interessant und spannungsvoll ist der Raum zwischen den Gebäuden – einererseits Passage für die wichtige Fußgängerverbindung zwischen Mailänder Straße und Stockholmer Platz – andererseits Außenfoyer und Bindeglied der drei Gebäude, die mit ihren Eingängen auf diesen Innenraum orientiert sind. Den städtebaulichen Intentionen läuft alledings der Vorschlag zuwider, den Stadtboden als Glasdecke und als schiefe Ebene auszubilden.

In der auf den Mailänder Platz orientierten Bibliothek sind die unterschiedlichen Funktionsbereiche zwar auf knapper Fläche, dafür aber übersichtlich und orientierungswirksam untergebracht. Nicht ganz eindeutig ist die Erschließung des Kindergartens, zudem fehlt eine direkte räumliche Anbindung zum Kindermedienzentrum. Die konstruktiven Festelemente, alle in Fließrichtung des Raums angeordnet, lassen eine hohe Flexibilität, Offenheit und eine räumlich spannungsvolle Möblierung zu. Die segmenthaften Einschnitte vermitteln Transparenz und optische Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen. Das sogenannte „Herz“, der räumliche Mittelpunkt der Bibliothek, durchdringt als zylindrischer Körper alle Ebenen.

Die einzelnen Baukörper werden mit einer teils transparenten, teil transluzenten Fassade überspannt, die mit ihrem farbigen Colorit in den Stadtraum wirken soll. Diskutiert wird, ob diese in gewissem Sinne indifferente, neutrale Außenhaut für ein öffentliches Gebäude zu glatt und zu beliebig geraten ist. Andererseits werden Struktur, Funktion und Binnen-aktivitäten des Gebäudes im Stadtraum sichtbar. Positiv angemerkt wird, daß mit dem Freistellen der Baukörper eine in der Auslobung geforderte weitgehende natürliche Belichtung in dem Gebäude auf einfachste Art erfüllt werden kann.

Aufgrund der straffen Grundrißlösung, der natürlichen Belichtung und des aufgezeigten energetischen Konzepts läßt sich eine wirtschaftliche Ausführung erwarten. Besonders hervorzuheben ist, daß selbst bei einer schrittweisen Ausführung eine als Solitär entstehende Bibliothek keine Zwischenlösung darstellt, sich vielmehr aufgrund ihres Volumens auch als Solist behaupten kann und darüber hinaus auch eine bauliche Ergän-zung in einer ganz anderen Architektursprache ertragen wird.

Auch wenn der Entwurf im gewissen Sinne Reminiszenzen an aktuelle, bekannte Projekte nicht verleugnen kann und damit auch ein Stück Zeitgeist deutlich wird, überzeugt er durch seinen einerseits lockeren, unprätentiösen, andererseits städtebaulich präzisen und klugen Vortrag. Seitens des Preisgerichtes wird allerdings intensiv diskutiert, ob der architektonische Ausdruck eine adäquate Lösung für ein öffentliches kulturelles Gebäude sein kann.