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Geert Lovink: Die Mehrheit der Blogger definiert sich weder als politisches Subjekt („engagierter Bürger“) noch hat sie journalistische Ambitionen. Die Idee eines „Bürgerjournalismus“ wurde geprägt von einer kleinen US-amerikanischen Blogger-Elite (der sogenannten A-Liste). Geert Lovink sieht in seiner Theorie des Bloggens (Teil seines Buches „Zero Comments“, Routledge NY, 2007) beim Bloggen eher den massiv nach innen gerichteten Blick des „Tagebuchführens“, als medienbezogenen Kategorien wie „Wahrheit“, „Nachricht“ oder „Bericht“. Jeder neue Blog trägt seinen Teil zum Untergang des Mediensystems bei, das einst das 20. Jahrhundert dominierte. Was abnimmt, ist der Glaube an eine Botschaft. Das ist das nihilistische Moment (nihil = Null) der Bewegung, und Blogs fördern diese Kultur wie keine andere Plattform vor ihnen. Blogsoftware unterstützt in Wirklichkeit Nutzer dabei, den Schritt von der Wahrheit zum Nichts zu gehen. Die gedruckte und gesendete Botschaft hat ihre Aura verloren. Nachrichten werden als Waren konsumiert, die einen gewissen Unterhaltungswert besitzen. Geert Lovink ist Medientheoretiker, Internetkritiker und Autor von „Uncanny Networks“, „Dark Fiber“, „My First Recession“ und „Zero Comments“. Er organisiert Konferenzen und ist Mitbegründer von Internetprojekten wie „nettime“ und „fibreculture“. Seit 2004 leitet er das Institute of Network Cultures, Hogeschool van Amsterdam und ist Professor für mediastudies/new media an der Universität von Amsterdam. |